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Gemütsruhe und Zeitver(sch)wendung – heute und damals im alten Rom

August 5, 2017

Gemütsruhe und Zeitver(sch)wendung – heute und damals im alten Rom

Nachdem ich es komplett gelesen habe, hier noch mal eine klare Empfehlung für das Magazin Geo kompakt „Wer bin ich“ über neue Erkenntnisse aus der Lebenslaufforschung. Der letzte Artikel über das Geheimnis der Zufriedenheit ist der beste. In die Fotos von Tytia Habing kann man lange versinken und den allerletzten Satz kann man immer wieder lesen.

Von dem römischen Denker Seneca wusste ich bisher nicht viel, aber der Begriff „Gemütsruhe“ beschreibt einen derart verlockenden Zustand, dass ich recherchieren musste, was der Mann noch so geschrieben hat vor etwa 2000 Jahren. Hier ein paar Beispiele seiner erstaunlich aktuellen Thesen: 

„Wer die Einsicht besitzt, ist auch maßvoll; wer maßvoll ist, auch gleichmütig; wer gleichmütig ist, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen; wer sich nicht aus der Ruhe bringen lässt, ist ohne Kummer; wer ohne Kummer ist, ist glücklich: also ist der Einsichtige glücklich, und die Einsicht reicht aus für ein glückliches Leben!“

In anderer Wortwahl könnte dies ein Meditationsmantra für gestresste Menschen unserer Zeit sein.

Dieses folgende Zitat könnte eine Aufforderung sein, die Zeit, die wir mit sozialen Medien verbringen, bewusster zu nutzen und dafür freizügiger mit dem umzugehen, wovon wir mehr haben, als wir selbst benötigen:

„Man findet niemanden, der sein Geld teilen will, doch mit wie vielen teilt ein jeder sein Leben! Sie sind davon gefesselt, ihr Erbe zusammenzuhalten, sobald es aber um die Verschwendung ihrer Zeit geht, sind sie höchst freigebig mit dem, worin allein doch der Geiz ehrenhaft ist.“

Sieht man aber unser Medienverhalten als Betrachtung der Welt, sind wir laut Seneca sogar dazu erschaffen. Jedoch mit einem Zusatz:

„[…] die Natur hat uns zu beidem geschaffen, zur Betrachtung der Welt und zum Handeln.“

Die Gemütsruhe soll uns also nicht vom Handeln abhalten. Oder findet, wer bewusst im Sinne der Welt handelt, dadurch seine Ruhe?

 

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